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Rosa Elefanten

Einfaches psychologisches Spielchen, das man noch aus der Grundschule kennt.

Eine Bitte: NICHT an einen rosa Elefanten denken! Auf keinen Fall an einen pinknen Dickhäuter denken, der sich genüsslich schmatzend durch den indischen Dschungel mampft oder der sich mittels Rüsselfontäne nebst seiner rosa Sippe in einem Tümpel erfrischt.

Na? An was denkt man? Höchstwahrscheinlich an einen rosa Elefanten. Ist nämlich alles Humbuk. Das Vorhaben nicht an etwas zu denken, zwingt das menschliche Gehirn dazu, gerade dann genau daran zu denken.

Das kleine Experiment funktioniert natürlich auch mit anderen Dingen, die man aus dem Gedächtnis streichen will. Während wichtiger Prüfungen etwa: Nein, du denkst jetzt nicht daran, wie gut es wär bei dem Wetter einfach auf der Wiese draußen zu sitzen und ein Bier zu trinken! Oder bei einer Diät: Denk auf keinen Fall an den Kühlschrank oder an Schokolade! Liste ließe sich beliebig erweitern.

Ergo: Man kann nicht auf Kommando nicht an etwas denken.

Mir war übrigens nicht klar, dass rosa Elefanten eine so tragende Rolle in der jüngeren Geschichte des gesellschaftlich-akzeptierten Alkoholkonsums spielen. Wenn das mal kein Wink mit dem Zaunpfahl ist.
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Alles, was glücklich macht (willkürliche Reihenfolge)

Schokolade
Gewitter im Sommer
auf der Wasseroberfläche treiben
Sushi erst machen, dann essen
Küssen (nur Menschen mit Talent dazu)
To-do-Listen abhaken
Grillen mit Freunden
Bier trinken mit Freunden
ein Buch lesen, das man nicht mehr aus der Hand legen kann
in der Sonne braten
Fingernägel lackieren
Sachen sortieren und abheften
eine neue Lieblingsband entdecken
nachts im Schwimmbad einbrechen und nackt vom 3er springen
500 Gramm weniger auf der Waage
wenns einfach läuft
Selbstportraits knipsen und NOCH schöner photoshoppen
Füße hochlegen und nichts tun
Scrubs schaun
Wenn ein Text von einer höheren Instanz als "ziemlich gelungen" gewürdigt wird
erst erzählen lassen und dann "boah, hab grad garnicht zugehört" sagen
einen neuen Eintrag im Lebenslauf hinzufügen
good-hair-day
"Mh echt gut, was du gekocht hast!"
Postkarten bekommen
Abends draußen sitzen
der erste Bissen eines perfekten Döners
Sommer
klugscheißen
perfekte Schuhe finden und kaufen
Beischlaf (mit Menschen, die man mag)
sich einen richtigen Kugelschreiber leisten (nicht immer diese gratis Pharma-Werbe-Kulis)
einen Samstag lang die komplette Zeit darauf zu verwenden, die SZ von vorne bis hinten zu lesen


Diese ganzen Dinge machen mich schon ziemlich glücklich. Doch die Summe daraus übersteigt nicht dieses unbändige Glücksgefühl, in dem Wissen zu sein, dass ich nie mehr - NIE MEHR - auch nur ein beschissenes Nummernschild in meinem Leben abtippen werde. Denn: Ich bin fertig. Wuuuhuuuuu! :))

Und darauf ein nicht vorhandenes Bier. Prost!
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Ich werd mal keine PR-Schlampe

Ja, es studiert wieder fleißig und diesmal sogar mit konkretem Ziel. Hauptstudium fängt in nicht mehr ganz einem Monat an und die Entscheidung heißt: Schwerpunkt Journalismus oder PR. Heute durfte kreativ geschrieben werden und... naja das ist mein Text:

1993 rannte ein kleines Mädchen völlig außer Atem am Spielfeldrand des Bolzplatzes entlang. Von links nach rechts und es schrie: „Nils führt den Ball, stürmt in das gegnerische Feld. Schießt! und Tooooooor!! Tooor! Die Menge jubelt!!! Was für ein Spiel!!“ Damals wurde der Grundstein für meine Leidenschaft gelegt: begleiten, berichten, schreiben.

Sicher, ich werde ganz sicher nicht den Weg des Sportjournalismus einschlagen, dafür hab ich viel zu wenig Ahnung vom Regelwerk und hege zu wenig Interesse an Ballacks Wadenkrämpfen und Poldis Interviewqualitäten - aber die Richtung stimmte damals schon. Ich will Journalist werden – ganz klar. Es gibt eine Menge Gründe, die seit dem Sommernachmittag vor 15 Jahren hinzugekommen sind. Es fasziniert mich unabhängig und objektiv zu berichten. Themen so aufzudröseln, dass wirklich etwas mit Auswirkung entsteht. Etwas, dass Wellen schlägt, wenn auch nur kleine. Ich will über das Leben schreiben: Glossen, Kolumnen über den täglichen Wahnsinn. Fundiert recherchiert, klug und gewitzt geschrieben. Ich will Leute zum Schmunzeln bringen. Ich will, dass sie sich in den Texten selbst wieder finden. Ich will es schaffen, dass der Leser nicht nach zwei Absätzen aussteigt und sich denkt, dass da wohl nicht mehr viel kommt. Ich will DEN Text schreiben und das jede Woche aufs Neue. Völlig egal ob ich davon reich werde oder nicht. Ob ich mir damit Freunde mache, oder eben nicht. Ich will nicht mal Regierungen stürzen. Sicher es fasziniert mich welche Macht Journalisten haben. Wie sie in die politischen Gefüge eingreifen, ihnen aus dem Innersten heraus den Halt nehmen und alles zum Einsturz bringen können. Aber wenn wir ehrlich sind: so ein Journalist bin ich nicht, werde ich nie sein. Dazu fehlen mir die Fachkompetenz und die nötigen Eier.

Denn Angst vor dem Beruf hab ich auch. Definitiv. Eine riesige Verantwortung, die auf einenem Journalisten lastet. Ein kleiner Fehler hat große Auswirkungen. Die Medienbranche an sich nervt mich tödlich. Ich habe kein Interesse an Business-Smalltalk, sehe Networken als Zeitverschwendung an und mir ist das oberflächliche Getue von Frauen in beigen Kostümchen und Männer mit blankpolierten, handgenähten, italienischen Lederschuhen zuwider. Aber das gehört auch zum Geschäft. Es gibt Dinge im Berufsleben, mit denen man eben leben muss, um sich einen Traum zu erfüllen. Den Traum mit Wörtern Die Welt jeden Tag zu erklären.

Achja und der Vollständigkeit halber: PR interessiert mich einfach nicht. Ich sehe mich nicht im Hosenanzug vor Flipcharts, während ich Polohedenträgern mit zu dicken Brillengestellen erläutere, warum gerade unser Unternehmen so unglaublich spitze ist.


Meinungen aus Bayern dazu: Aus dem Allgäu und aus der Oberpfalz.
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Alles Opportunisten

Ich finds traurig.

Wenn schon Großkotzpolitik, dann doch bitte konsequent und nicht heute schwarz und morgen rot. Ich zähl mich absolut nicht zum gelben Lager und wenn ich seh, dass die partout nicht aufhören ihr Fähnchen in den Wind zu hängen, wird mir schlecht.

Ich wander aus. Nach Argentinien. In das Land in dem die Gattin des ehemaligen Präsidenten neues Staatsoberhaupt werden konnte. Die Joan Collins der Latina-Politik, die mehr Geld für Kosmetik ausgibt als für das Bildungssystem. Aber man kann sich ja auch auf einer Farm in der Pampa niederlassen, Rinder züchten, Empanadas futtern und auf den Rest der Welt gelinde scheißen.

Wer macht mit?!
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Na, du Brett!

Ganz ehrlich: Ich liebe Baumärkte. Hornbach, Hellweg, Obi - wie sie nicht alle heißen. Gibts nichts Besseres als sich an einem Samstagmorgen zusammen mit einem Dutzend schwitzender Hobby-Handwerker (inklusive Klemptner-Dekoltee und Bierbauch) durch die Gänge zu schieben: Rechts Winkelschleifer, links Kreuzschliffblairgedendwas und geradeaus Sperrholzplatten mit Kirschholzfunier.

Ich hab bei den meisten Gerätschaften nicht die leisteste Ahnung was man alles mit ihnen anstellen kann. Ist mir auch eigentlich wurscht. Weil Fakt ist: Ein Baumarkt toppt den besten H&M. Definitiv. Am tollsten ist die Abteilung "Holz und Funier". Könnt mich an Eckleisten und Brettern dumm und dämlich kaufen. Irgendwann gehen einem aber zu Hause die Ecken aus, in die man die Leisten tackern kann, aber was solls. Das nächste Haus kommt bestimmt und dann gehts wieder von vorne los und dann hat man wenigstens schon mal was da.

Ganz groß im Sommer ist auch die Gartenteich- und Vogelhäuschen-Abteilung. Schwarze Folie, Becken, Pumpen. Unglaublich nutzloser Schnickschnak, den ich auf keinen Fall brauche, aber gerne anfasse und haben will. Ich hab überhaupt keinen Teich und in Zeiten es globalen Klimawandels is auch kein Vogel mehr auf meine Almosen in Futterhäuschen angewiesen. Weil friert ja hier im hessischen Süden sowieso nix mehr zu. In der Garage nistet ja sogar ein Schmetterling. Halloo Frühling?! Aber allein der Gedanke, dass ich ja theoretisch so ein handgedrechseltes Vogelhäuschen mein Eigen nennen könnte, wenn ich wollte, übertrifft nicht nur jede Grenze des erträglichen Spießertums, sondern schießt noch weit weit übers Ziel hinaus.

Woaaahhh und erst die Tapeten!! Zugegeben sind Tapeten das wohl sinnloseste in einem Raum. Sind engergieeffizienz-technisch komplett irrelevant und tragen auch nicht zur besseren Luftzirkulation bei. Aber in der Tapetenabteilung tummelt sich gerne ein besonderer Schlag Menschen, der mir unglaublichen Spaß macht: Junges Pärchen, Mitte 20, erste eigene gemeinsame Wohnung. Sie will "irgendeinen warmen Farbton, der das Zimmer nicht so klein erscheinen lässt" und ihm ist es berechtigterweise ziemlich egal, wie die Wand hinter dem Fernseher aussieht. Ergebnis der Geschichte: 16 Rollen Wandpapier - Reliefoptik in apricot. Sie strahlt und er denkt daran, dass er den Scheiß in den nächsten Tagen alleine an die Wand kleben muss. Unendlich amüsant.

Außerdem gibts in Baumärkten ganz günstig Künstlerpinsel. Also die dünnen, mit denen man damals in der Schule dem Tischnachbarn in Kunst Penisse auf den DIN A3-Block gemalt hat. Denn sobald die Sonne wieder scheint, gehts raus in die Natur. Dann setz ich mich wieder an den imaginären Teich und schau den Vögeln zu wie sie aus dem nichtvorhanden Vogelhäuschen Körner picken und das mal ich dann. In Öl. Auf meine Leinwand. Die man übrigens auch im Markt bekommt.

Wuuaahuuaa, Daumen hoch für Baumarkt!
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Grmpf!!!

Auch auf dem wohl unpolitischsten Blog des ganzen Internets, muss man fragen:
Was soll das denn???

Ich muss zugeben, dass ich heute morgen bei der Wahl ziemlich unausgeschlafen war und beim nach Hause gehen so darüber nachgedacht habe, ob mein Kreuzchen nicht aus Versehen doch eins zu hoch gerutscht ist. Jetzt mach ich mir Vorwürfe. War ich einer der 3.595 Wähler, die in die falsche Richtung getickt haben???

Wie schlimm wär das denn!!

Falls ja entschuldige ich mich bei allen Hessen hier öffentlich. Aber bin mir ziemlich sicher, dass ich alles richtig gemacht hab...

Aaach so ein Mist... un nu?!
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Same procedure as every day...



Das sagt eigentlich alles über meine momentane Stimmung: die Summe diverser mieser Begebenheiten. Wohl bekomms.

Bild zeigt eine Installation in der Bernstorffstraße in Hamburg. Text dazu: "Same procedure as last year, Miss... ?"
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Ein schlechtes und ein gutes Ende

Ich mags nicht, wenn Dinge zu Ende gehen. Generell. Sobald der Löffel auf dem Becherboden kratzt, weiß ich, dass in naher Zukunft auch der Pudding passé sein wird. Genau so verhält es sich mit dem Lesen. Es ist schade, wenn Bücher langsam ausklingen. Da war man eben noch in der spannenden Geschichte, in die man sich geschmuggelt hat. Und dann ist die plötzlich aus - vorbei. Ein kleiner Teil des Alltags ist dann weg. Ein bisschen so als ob ein Goldfisch stirbt. Man hatte ihn nicht lang, er war da und man hatte seine Freude an und mit ihm. Lebensmittelpunkt war er nie, aber das Gefühl ist trotzdem seltsam, wenn man ihn dann das Klo runterspülen muss. Genau so fühlt man sich, wenn man ein Buch zurück ins Regal stellen muss. Nur, dass es danach nicht zu Klärschlamm wird. Habe gerade für dieses Buch die Spülung gezogen. Schade.

Ein gutes und vollends zufriedenstellendes Ende ist indes das Fertiglesen eines Magazins, das einen nicht interessiert. Damals vor einem Jahr war man zu nett und zu naiv, um der Drückerkollonne einen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen, als die die arme Drogenjunkie-Geschichte an der Haustür ausgepackt haben. Also quält mich noch 49 Wochen ein Abo, das ich nicht haben will.

Ich weiß, ich tu so als sei ich Journalistin und sollte den Spiegel fressen und jeden Text auswendig lernen. Ich sollte ihn anbeten, von ihm träumen und ihn unter mein Kopfkissen legen und die wohlige Wärme, die von ihm ausgeht, genießen. Aber 88 Prozent der Themen interessieren mich einfach nicht. Die wenigen Texte, die mich kümmern, les ich auch gerne, eine Frage, aber den Rest... . Dennoch bin ich tapfer und les das Heft vom Anfang bis zum Ende. Nicht weil es Spaß macht, sondern weil das verdammte Abo 45 Euro im viertel Jahr kostet!!!

So schmunzel ich halb angewidert über die Arroganz, mit der sich das Heft anmaßt, sich im "Hohlspiegel" auf der letzten Seite über andere Publikationen lustig zu machen. Dann segelt die Ausgabe geschmeidig in den Papierkorb. Ein Magazin geht zu Ende. Das Gefühl ist unbeschreiblich schön...

Wenn man nicht wüsste, dass morgen schon die nächste Ausgabe im Briefkasten liegt.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand vom Spiegel das hier liest und irgendwann mal in Erwägung gezogen hat, mir eine Zusage für ein Praktikum zu schicken, aber dann meine Bewerbung doch lieber an den Kollegen vom ManagerMagazin weitergeleitet hat, der mir dann gottseidank abgesagt hat (warum auch immer??!!!): Wir wissen beide, dass ich nicht die richtige Frau für euch bin. Nichts für ungut.
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Theorie und Praxis

Ich war in der siebten Klasse und dachte ich weiß so ziemlich alles über altdeutsche Geschichte. Karolinger, Merowinger, Karl der Große. Das ganze Zeug. Heute weiß ich davon nichts mehr. Ist aber auch nicht weiter schlimm. Wozu gibts Wikipedia.
Wie dem auch sei...

Ich war also 13 und fühlte mich superschlau. Viel schlauer als das arme kleine Mädchen, das neben mir in der vorletzten Reihe saß. Die wusste so ziemlich garnichts. Hat mich dauernd nach den Kreuzzügen gefragt. Dabei kamen die erst Jahrunderte später. Bemitleidenwert. Ich nahm mich also dieser armen Seele an und versprach, ihr das ganze Thema zu erklären.
Die Klassenarbeit rückte immer näher und ich paukte mit ihr die das achte bis zehnte Jahrhundert. Erklärte ihr die Zusammenhänge, verdeutlichte ihr worauf es ankommt und wo die eklatanten Fehlerquellen liegen. Man kann schon sagen, dass ich ein derber Streber war. Naja was soll man auch sonst mit 13 sein. Sex hat man zu der Zeit gefälligst noch nicht und Drogen waren auch noch bäh, also muss man anders Spaß haben.
Wochenlang trichterte ich ihr also den Mist ein. Wusste ja schließlich alles. Ungelogen. Sie schüttelte dauernd den Kopf, stammelte die ganze Zeit "aber aber..." und ich saß irgendwann nur noch allwissend da und nickte selbstsicher.

Ergebnis war: Sie schreibt eine 2+ und ich eine 5. Das war hart. Um nicht zu sagen: ein Tritt in die nicht vorhandenen Eier. Wie konnte das passieren?
Kaum hab ich in der Klausur gesessen, wusste ich nichts mehr. Mein ganzes Wissen in meiner Paradedisziplin war dahin und ich konnte einpacken - genau dann, als es darauf ankam. Ich war nervös und hab zu viel gelabert. Ich wollte es besonders gut machen und erzählte nur Stuss. Seitenweise. In der Theorie war ich tough, in der Praxis ein absoluter Versager.

Jahre später hab ich dann ein echt ziemlich gutes Abi in Geschichte gerockt. Saß in der mündlichen Prüfung (neue Deutsche Geschichte war das Thema) und war ziemlich cool - richtig tough. Keine Angst, kein Gelaber. Ich wusste was ich kann und wo ich stehe und baaaam... 13 Punkte. *Strike*

Man braucht also schlicht und einfach ein paar Jahre Erfahrung, um in der Praxis genau so tough und cool zu bleiben, wie man in der Theorie behauptet zu sein. Denn eigentlich kann mans ja. Nur nicht nervös machen lassen.

Damals hab ich sieben Jahre gebraucht bis ich soweit war. Jetzt geb ich mir zehn.
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Gründe für Sommer

Die Sonne brennt auf der Haut. High Noon und man wird gegrillt wie ein Hähnchen. Natürlich ohne Sonnencreme. Das ist ja was für Pussys. Also ebnet man zwei Stunden lang den Weg zu einem ausgewachsenen Hautkrebs und unzähligen Falten im Alter. Dabei aber immer schön die Augen zulassen. Netzhaut soll ja heil bleiben. Irgendwann wenn die Hitze unerträglich wird, geht man wieder in die Wohnung und stellt sich vor den Spiegel: Sonnentrophäe begutachten. Der erste Bikinistreifen des Jahres. Wuhhuuuu!

Der Döner des Sommers: Saftig und man kann nicht reinbeißen, ohne sich irgendwie einzusauen. Nur das Wassermelonen-Flecken wesentlich besser auswaschbar sind als Knoblauchsoße. Idealerweise kleckert man sich sowieso halb nackt mit dem Obst voll. Und wer Wassermelone in Würfel statt in Scheiben schneidet, verdient keinen Respekt. Am Wassermelone-Streifen von Ohr zu Ohr nach dem Abbeißen erkennt man den wahren Feinschmecker.

Einfach treiben lassen. Augen schließen und das kühle Wasser genießen, das über den Bauch schwappt und sich in einem winzigen Teich im Nabel sammelt. Die Haare sehen unter der Oberfläche wie Algen aus, sind ganz weich. Mückeln kitzeln an der Nase. Dann packt es einem am Fuß, zieht einen in die Tiefe. Man japst nach Luft! "Penner!" Das gibt Rache!!!

Mittlerweile hat man die fünfte Runde Hefe bestellt. Der Biergarten ist auch jetzt um kurz nach 11 gut gefüllt. Lachen, bunte Laternen und das Laub über einem, durch den der Wind raschelt. Das Licht is gedämpft, die Gesichter sind weich. Man ist weder betrunken noch nüchtern und kaut genüsslich auf einer halben Brezel rum. Irgendwann zieht man sich die Jacke über. Wirs kühl langsam. Aber nur ein bisschen.

Die ersten Wolken ziehen auf. Erst wenige, kleine. Noch knallt die Sonne erbarmungslos. Der Himmel zieht sich langsam zu. Es grollt. Eine dunkelgraue, fast violette Wand aus schweren Gewitterwolken schiebt sich vor die Sonne und die ersten Tropfen fallen. Sofort verdunsten sie auf dem heißen Asphalt. Blitze zucken, ein ohrenbetäubender Knall und es prasseln dicke Tropfen auf die Erde, die jedem Tropenregen auf Sumatra Konkurrenz machen. Schnell raus, barfuß durch den Regen und tief einatmen. Der ganze Dreck der letzten Wochen löst sich mit einem Mal. Die Luft ist wie reingewaschen. Und dann plötzlich hört es auf. Einfach so. Und Dampf steigt auf.

Es ist drei Uhr morgens. Der vergangene Tag hat den Hitzerekord des vorigen geschlagen und die Nacht ist heiß und stickig. Die Balkontür ist offen, alibioffen - bringt eh nix. Die Grillen zirpen zu laut. An Schlaf ist nicht zu denken. Auch egal. In einer Stunde wird es sowieso hell. Also tapst man im Dunkeln auf den Balkon setzt sich in den Schaukelstuhl und legt die Beine auf das Geländer. Es riecht nach Heu. Müde reibt man sich die Augen und zündet sich eine Zigarette an. Eigentlich raucht man ja nicht. Aber passt gerade so schön. Und langsam färbt sich der Himmel rot.

(ich will Sommer...)

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